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Wanze auf Margerite

Planungen auf dem Gelände der ehem. Marinewaffenschule
am Schleiufer von Kappeln/ Ellenberg


Zu der geplanten Änderung des Flächennutzungsplans sowie des Bebauungsplans "Schlei-Terrassen" haben wie gegenüber der Stadt Kappeln die folgende Stellungnahme abgegeben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu den uns vorgelegten Plänen nehmen wir wie folgt Stellung:

1. Allgemeines zur Region:
Das Ostufer der Schlei zwischen Kappeln und der Schleimündung ist noch weitgehend frei von Sportbootanlagen und Verbauungen. Die Ufer sind über große Strecken noch in einem naturnahen Zustand. So überrascht es nicht, dass auch das Ufer des ehemaligen Marinewaffenschulgeländes, jahrzehntelang von der Öffentlichkeit abgeschirmt, als FFH- und EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen wurde. Die dort vorhandenen prioritären Lebensräume ("besondere Bedeutung", Anhang: 1230, 1160 und 1330) bedingen einen starken Schutzstatus. Bereits in der Biotopkartierung zum Landschaftsplan Kappeln wird unter der Biotop-Nr. 5/31 als Bewertung "sehr wertvoll" genannt. Auf dieser ausgedehnten Fläche wachsen allein 4 Arten der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten.

2. Einzelfragen
Zu den prioritären Arten innerhalb der EU-Vogelschutzrichtlinie gibt es ein neues Monitoring von Kiekbusch und Romahn 2009. Im Teilgebiet 1a, das hier in Frage kommt, werden Gänsesäger, Zwergtaucher und Mantelmöwe als prioritäre Arten genannt. Im Schilf am gegenüberliegenden Ufer brütet die Rohrweihe und etwas entfernter der Seeadler.

Nach den vorgelegten Plänen wird der vorhandene Wald komplett gerodet und durch eine Baumreihe im jetzigen Brackwasserröhricht (FFH-Gebiet) "ersetzt". Der Wald ist ein 50 Jahre alter Laubmischwald (vorwiegend Ahorn) und bildet zusammen mit der seit über 10 Jahren brachliegenden Sportplatzfläche eine Einheit. Die Gesamtfläche beträgt etwa 2,5 – 3 ha. Viele der im Plan eingezeichneten Bäume täuschen einen Ersatz für den gerodeten Wald nur vor. Sie stehen auf Privatgrundstücken und verdecken die Sicht der Eigentümer auf die Schlei und die West- und teilweise Südsonne. Da Kappeln keine Baumschutzsatzung hat, werden sie nicht lange überleben. Mit in Bauplänen festgeschriebenen Bäumen auf Privatgrundstücken haben wir in Kappeln im Vollegebiet sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

In den Planungskarten fehlt die 50m-Bauverbotszone als Abstand zur Schlei. In dieser Bauverbotszone sollen etwa 50 Häuser gebaut werden! Über die Vögel, Amphibien, Reptilien, Fledermäuse und evtl. auch Insekten, Käfer und Schmetterlinge im Ufer- und Waldbereich kann nur eine Untersuchung im Rahmen der UVP genaue Auskunft geben. Gerade in dem über Jahrzehnte abgeschiedenen Zonen wird sich eine reichhaltige Fauna entwickelt haben.

3. Folgerungen
Aus diesen Gegebenheiten ergibt sich, dass bei den Planungen ohne allen zwingenden Grund die wertvollen weiträumigen hier noch weitgehend unberührten Uferbereiche an der Schlei nicht überbaut und damit vernichtet werden dürfen. Ein Bootshafen, befestigte Bootslagerflächen, Pontonhäuser und Badestege in der Schlei in diesem Bereich sind aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Bei dem geplanten Winterlager für größere Boote werden eine Slipanlage und ein Kran benötigt. Umfangreiche Baggerarbeiten müssten den flachen Grund (prioritärer Lebensraum 1160!) auf mindestens 2m Tiefe ausbaggern und diese Tiefe gegen Versandung immer wieder erneuern. Größere Uferbereiche würden versiegelt.
Die bisher nicht bebauten Ufer- und Waldflächen innerhalb des 50m-Schutzstreifens müssen komplett erhalten werden

Die Lage an der Schlei und die Nähe zu einem hervorragenden Ostseestrand und zu Port Olpenitz als Wassersportzentrum bleiben für die entstehenden Häuser ein hinreichend starkes Verkaufsargument. Die Attraktivität eines unberührten Schleiufers zur Erholung wird offenbar unterschätzt. Wir sind enttäuscht, dass die Versammlung mit den Naturschutzgruppen nicht die geringste Spur in den Planungen hinterlassen hat.

Leider wurden unsere frühzeitigen Hinweise auf Konflikte mit Naturschutzgesetzen im Falle von Port Olpenitz nicht ernst genommen. Wir hoffen, dass im Falle der Marinewaffenschule eine bessere Zusammenarbeit doch noch möglich ist.

Mit freundlichem Gruß

Dieter Rackow





Marinewaffenschule